In Deutschland gilt sie seit vielen Jahren als selten, doch auch hier treten immer wieder neue Fälle auf – vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder nach Aufenthalt in Ländern mit höherer Erkrankungsrate.
Im Jahr 2022 wurden in Deutschland laut Robert Koch-Institut rund 3.900 neue Tuberkulosefälle gemeldet. Weltweit bleibt Tuberkulose jedoch eine der häufigsten Infektionskrankheiten. Die Tuberkulosebakterien werden durch Tröpfcheninfektion übertragen – wenn eine erkrankte Person hustet, niest oder spricht, können die Erreger in der Luft schweben und in die Atemwege anderer Menschen gelangen.
Für eine werdende Mutter ist Tuberkulose ein wichtiges Thema – nicht nur im Hinblick auf ihre eigene Gesundheit, sondern auch auf die des Kindes. Es besteht nämlich ein Risiko der Übertragung, wenn die Infektion während der Schwangerschaft auftritt.
Wann und wie wird Tuberkulose in der Schwangerschaft diagnostiziert?
- Wenn die Hebamme oder der Gynäkologe bei den ersten Vorsorgeuntersuchungen Risikofaktoren feststellt (z. B. länger anhaltender Husten, Kontakt zu einer erkrankten Person, Aufenthalt in Regionen mit hoher Erkrankungsrate), kann eine bildgebende Untersuchung empfohlen werden, etwa eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs – in der Regel mit Bauchschutz. Erst wenn sichere Vermutung vorliegt.
- Es kann auch ein Tuberkulintest (Hauttest, Mantoux-Test) oder eine Blutuntersuchung (IGRA-Test) durchgeführt werden, um festzustellen, ob eine latente Infektion mit Tuberkulosebakterien besteht.
- Wenn eine Frau vor der Schwangerschaft an Tuberkulose erkrankt war, veranlassen Ärztinnen und Ärzte häufig zusätzliche Lungenfunktionsprüfungen, um zu beurteilen, wie gut das Atmungssystem die Belastung der Schwangerschaft bewältigen kann.
- In der Diagnostik ist es wichtig, eine aktive Tuberkuloseerkrankung – also eine Situation, in der sich die Bakterien vermehren und Symptome verursachen – auszuschließen, bevor eine Behandlung eingeleitet wird.
Wie kann Tuberkulose Schwangerschaft und Kind beeinflussen?
- Wenn eine Frau während der Schwangerschaft erkrankt, können die Tuberkulosebakterien über die Plazenta auf das Kind übergehen und das Baby schon vor der Geburt gefährden.
- Auch während der Geburt kann es zu einem Kontakt mit den Erregern kommen - es passiert deutlich häufiger.
- Das Kind kann in der Folge eine angeborene Tuberkulose entwickeln oder ein geschwächtes Immunsystem haben, was den Verlauf der Erkrankung erschweren kann.
- Bei der Mutter kann eine während der Schwangerschaft bestehende Tuberkulose zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands, einer reduzierten Lungenfunktion und Schwangerschaftskomplikationen führen.
- Eine unbehandelte Tuberkulose in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten oder ein geringeres Geburtsgewicht.
Behandlung der Tuberkulose in der Schwangerschaft
- Wenn eine aktive Tuberkuloseinfektion diagnostiziert wird, wird immer behandelt – das Risiko für Mutter und Kind ist größer als das mögliche Risiko der Medikamente.
- Das Standardbehandlungsschema umfasst Arzneimittel wie Isoniazid (INH), Rifampicin (RIF) und Ethambutol (EMB) – diese Medikamente passieren zwar die Plazenta, verursachen nach aktuellem Wissenstand jedoch keine Fehlbildungen.
- Pyrazinamid (PZA) wird in der Schwangerschaft gelegentlich eingesetzt, auch wenn es in einigen Ländern vermieden wird, da es nur begrenzte Sicherheitsdaten gibt.
- Das Medikament Streptomycin (ein Aminoglykosid) gilt als kontraindiziert in der Schwangerschaft, da es das Risiko einer Schädigung des Gehörs beim Fötus birgt.
- Die Behandlung dauert mehrere Monate (in der Regel 6 oder mehr), abhängig von der Empfindlichkeit der Bakterien, dem klinischen Zustand und anderen Begleiterkrankungen.
- Die Behandlung einer latenten (verborgenen) Tuberkulose während der Schwangerschaft wird meist vorsichtig abgewogen – oft wird zunächst beobachtet, es sei denn, das Risiko einer Entwicklung zu einer aktiven Erkrankung ist hoch.
Was du tun kannst, wenn du schwanger bist (oder eine Schwangerschaft planst)
- Wenn du Symptome hast – wie anhaltenden Husten, Atemnot, Schwäche, nächtliches Schwitzen oder Gewichtsverlust – melde dich bei deiner Ärztin oder deinem Arzt und bitte um eine Untersuchung auf Tuberkulose.
- Wenn du Kontakt zu einer erkrankten Person hattest – auch wenn du selbst keine Symptome hast – informiere deinen Arzt oder deine Ärztin, damit entsprechende Kontrolluntersuchungen veranlasst werden können.
- Vermeide geschlossene Räume mit Personen, bei denen der Verdacht auf Tuberkulose besteht (z. B. bei Husten oder Schwäche).
- Arbeite eng mit deinem Arzt oder deiner Ärztin zusammen – wenn eine Therapie verordnet wird, nimm die Medikamente regelmäßig und wie vorgeschrieben ein (ohne Dosen auszulassen).
- Stelle sicher, dass die medizinische Einrichtung, die deine Schwangerschaft betreut, über deinen Tuberkulosestatus informiert ist – damit sie die richtige Betreuung und Vorsorge für dein Kind gewährleisten kann.
*Quellen: Robert Koch-Institut — „Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland” Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose / Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin S2k-Leitlinie „Tuberkulose im Erwachsenenalter”*
