Es fühlt sich an, als wärst du einen Marathon gelaufen – obwohl du das Haus nicht einmal verlassen hast. Genau das ist die typische Müdigkeit im ersten Trimester. Ursache sind hormonelle Turbulenzen, ein erhöhtes Blutvolumen und die Tatsache, dass dein Körper jetzt nicht mehr nur für dich arbeitet, sondern auch für das kleine Wesen, das in dir heranwächst. Wenn du merkst, dass dir die Energie ausgeht, ist das ein Zeichen, innezuhalten. Schon ein kurzes Nickerchen oder ein Moment mit einem Buch auf dem Sofa kann Wunder wirken.
Aber es ist wichtig zu wissen, dass chronische Müdigkeit nicht immer nur ein normales Schwangerschaftssymptom ist. Wenn sie von Schwindel, blasser Haut, Atemnot oder Herzklopfen begleitet wird, kann ein Eisenmangel die Ursache sein. Das kommt in der Schwangerschaft sehr häufig vor – in Deutschland ist fast jede zweite Schwangere davon betroffen. Deshalb wird bereits im ersten Trimester ein großes Blutbild inklusive Hämoglobin- und Ferritinwert empfohlen. Diese einfache Untersuchung gibt Aufschluss darüber, ob dein Körper zusätzliches Eisen benötigt.
Eisen – dein Energieverbündeter
Wenn deine Blutwerte einen zu niedrigen Eisenwert zeigen, wird dir die Ärztin oder der Arzt in der Regel eine Eisentherapie empfehlen. Laut deutschen Leitlinien sollte eine Therapie in Erwägung gezogen werden, wenn der Hämoglobinwert unter 11 g/dl oder der Ferritinwert unter 30 µg/l fällt. Die empfohlenen Eisenpräparate enthalten in der Regel 30 mg elementares Eisen – eine gut verträgliche und effektive Dosierung.
Wichtig ist auch die richtige Einnahme: am besten auf nüchternen Magen oder zwischen den Mahlzeiten, zusammen mit Vitamin C, da das die Aufnahme verbessert. Milchprodukte, Kaffee oder schwarzer Tee sollten zeitlich versetzt eingenommen werden, weil sie die Eisenresorption hemmen können. Und nicht vergessen – wenn du mit der Supplementierung beginnst, ist es sinnvoll, sie auch noch einige Wochen nach der Geburt fortzusetzen, damit sich deine Eisenspeicher vollständig erholen können.
Wie du mit Müdigkeit in der Schwangerschaft gut umgehen kannst
Auch wenn Müdigkeit in der Schwangerschaft ganz normal ist, muss sie dich nicht völlig aus dem Alltag reißen. Hier sind einige bewährte Tipps, wie du neue Energie tanken und dich im Alltag besser fühlen kannst:
- Regelmäßige, kurze Pausen – du musst nicht den ganzen Tag auf der Couch verbringen, aber plane dir bewusst Momente der Ruhe ein. Schon 10–15 Minuten mit geschlossenen Augen können neue Kraft geben.
- Gesunde und ausgewogene Ernährung – greif zu eisenreichen Lebensmitteln wie rotem Fleisch, Eiern, Hülsenfrüchten, dunkelgrünem Gemüse und Nüssen. Vergiss auch Vitamin C nicht, das die Eisenaufnahme verbessert (z. B. Zitronensaft zum Essen).
- Geeignete Nahrungsergänzung – wenn dein Arzt dir Eisen verschreibt, halte dich an seine Empfehlungen. Am besten auf nüchternen Magen oder zwischen den Mahlzeiten einnehmen, und vermeide Kaffee und Tee etwa eine Stunde davor und danach.
- Körperliche Aktivität im Rahmen deiner Möglichkeiten – ein Spaziergang, Schwangerschaftsyoga oder leichte Übungen verbessern die Durchblutung und versorgen den Körper mit Sauerstoff.
- Ausreichend trinken – Dehydrierung verstärkt das Müdigkeitsgefühl. Trinke regelmäßig Wasser und vermeide gesüßte Getränke.
- Psychische Unterstützung – Stress und Sorgen rauben viel Energie. Nimm dir Zeit für dich, sprich mit vertrauten Menschen oder schließe dich einer Gruppe für werdende Mütter an.
Wann Müdigkeit ein Warnsignal ist
Müdigkeit in der Schwangerschaft kann belastend sein – aber wenn sie sehr stark ist und trotz Ruhepausen nicht nachlässt, solltest du auf bestimmte Symptome achten, die auf ernstere gesundheitliche Probleme hinweisen können:
- Atemnot und schnelle Erschöpfung bei einfachen Tätigkeiten
- Blasse Haut und blasse Schleimhäute
- Herzklopfen oder ein Druckgefühl in der Brust
- Konzentrationsstörungen und Schwindel
Wenn du solche Symptome bei dir bemerkst, zögere nicht, einen Arzt aufzusuchen. Eine Schwangerschaftsanämie kann eine intensivere Behandlung und engmaschige Überwachung erfordern.
Die Schwangerschaft ist eine schöne, aber auch fordernde Zeit. Achte gut auf dich, höre auf deinen Körper und scheue dich nicht, um Hilfe zu bitten. So wird diese besondere Phase angenehmer und voller positiver Momente.
*Quellen: WHO – World Health Organization, "Iron deficiency anemia – assessment, prevention and control", Geneva, 2001. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe; Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. (2021). S1‑Leitlinie: Eisenmangelanämie – Diagnostik und Therapie Berufsverband der Frauenärzte Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. (2022). Diagnostik und Therapie der Eisenmangelanämie in der Schwangerschaft und postpartal (Expertenbrief Nr. 77) Deutsche Gesellschaft für Ernährung*